Bausparverträge sind ein deutsches Volksprodukt — Millionen nutzen sie. Doch in einer Zeit, in der ETFs mit historisch 7–9 % Rendite locken, stellt sich die Frage: Macht ein Bausparvertrag noch Sinn, oder ist das Geld in ETFs besser aufgehoben?

Bausparvertrag vs. ETF im direkten Vergleich

KriteriumBausparvertragETF-Sparplan
Rendite Sparguthaben0,01–1,0 % p.a.historisch 7–9 % p.a.
Darlehens-Zinssatz1,5–3,0 % (garantiert)Marktüblich (variabel)
Abschlussgebühr1–1,6 % der Bausparsumme0–0,99 € pro Order
Flexibilitätgering (Mindestsparzeitraum)hoch (jederzeit kündbar)
Planbarkeitsehr hoch (feste Zinsen)gering (Marktschwankungen)
Für Immobilienkaufja (Baukreditoption)nein (kein Kredit)
Bausparvertrag vs. ETF: Was rechnet sich mehr?

Die Rendite-Lücke ist riesig

Ein Bausparvertrag mit 0,5 % Guthabenzins ist im Vergleich zu einem ETF mit 7 % Rendite kaum als "Anlage" zu bezeichnen. Bei 200 € monatlich über 10 Jahre:

  • Bausparvertrag (0,5 %): ca. 24.800 € — kaum mehr als die Einzahlungen
  • ETF-Sparplan (7 %): ca. 34.600 €

Der ETF-Sparplan bringt ca. 10.000 € mehr — über 20 Jahre würde dieser Unterschied noch dramatisch größer. Die Abschlussgebühr des Bausparvertrags (oft 1–1,5 % der Bausparsumme) drückt die ohnehin geringe Rendite weiter nach unten.

Wann ist ein Bausparvertrag trotzdem sinnvoll?

Es gibt tatsächlich Situationen, in denen Bausparen Sinn macht:

1. Du planst konkret einen Immobilienkauf in 7–10 Jahren. Der garantierte Darlehens-Zinssatz kann attraktiv sein — wenn er zum Zeitpunkt des Darlehens unter dem Marktzins liegt. Bei einem aktuellen Zinssatz von 3,5–4 % und einem Bauspar-Darlehenszins von 2 % wäre das ein echter Vorteil.

2. Wohnungsbauprämie. Wer unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegt (ca. 35.000 € zvE Singles, 70.000 € Paare), bekommt staatliche Förderung von 10 % auf bis zu 700 € jährlich = max. 70 € p.a. Das ist kein game-changer, aber immerhin.

3. Arbeitnehmer-Sparzulage. VL-Sparer können Bausparverträge als Anlageform für vermögenswirksame Leistungen nutzen und erhalten Arbeitnehmer-Sparzulage. Das verbessert die Rendite etwas.

Was tun mit einem alten Bausparvertrag?

Viele haben einen Bausparvertrag aus der Zeit niedriger Zinsen abgeschlossen und fragen sich, ob sie ihn kündigen sollen. Faustregeln:

  • Wenn du keine Immobilie planst, ist ein Bausparvertrag meistens ineffizient. Kündigen und das Guthaben in einen ETF-Sparplan umschichten kann sinnvoll sein.
  • Wenn du kurz vor der Zuteilung bist und einen günstigen Darlehens-Zinssatz hast, lohnt sich das Durchhalten.
  • Wenn du eine Abschlussgebühr gezahlt hast, die du noch nicht "amortisiert" hast, rechne genau nach.

Beim Kündigen beachten: Zu früh kündigen kann die Abschlussgebühren nicht mehr amortisieren. Ein Depot-Eröffnungs-Guide erklärt, wie du mit dem freigewordenen Kapital ETFs kaufst.

Fazit: ETF für Vermögensaufbau, Bausparvertrag nur bei konkretem Immobilienprojekt

Wer kein konkretes Immobilienziel hat, ist mit einem ETF-Sparplan klar besser bedient. Wer hingegen in 8–12 Jahren eine Immobilie kaufen will und sich heute günstige Zinsen sichern möchte, kann Bausparen als Zinsabsicherungs-Instrument nutzen — aber nicht als primäre Rendite-Anlage. Mehr Vergleiche: Robo-Advisor-Vergleich oder Tagesgeld vs. ETF.