2021–2023 hat Deutschland Inflationsraten von bis zu 8,7 % erlebt — so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Viele Anleger haben in dieser Phase schmerzhaft gelernt, was hohe Inflation mit verschiedenen Anlageformen macht. Was hat funktioniert, was nicht?
Was passiert mit verschiedenen Anlagen bei hoher Inflation?
| Anlageform | Verhalten bei hoher Inflation | Beispiel 2022 | Langfristig? |
|---|---|---|---|
| Girokonto / Sparkonto | Kaufkraftverlust direkt | −8 % real bei 0 % Zinsen | Dauerhaft schlecht |
| Tagesgeld | Besser als nichts, aber meistens unter Inflation | −5 % real bei 3 % Zinsen, 8 % Inflation | Kurzfristiger Puffer |
| Anleihen (fest verzinst) | Kurseinbrüche (Zinsanstieg = Anleihenkurs fällt) | Euro-Anleihen −12 bis −18 % | Schlecht in Hochinflation |
| Aktien-ETF (MSCI World) | Kurzfristig volatil, langfristig Inflationsschutz | −20 % nominal 2022, aber +18 % 2023 | Gut über 10+ Jahre |
| Rohstoff-ETF (Energie, Agrar) | Profitiert direkt — Rohstoffpreise steigen mit Inflation | +40–60 % (Öl, Gas) 2022 | Volatil, als Beimischung sinnvoll |
| Immobilien (vermietet) | Mieteinnahmen steigen mit Inflation (Indexmieten) | Wertstabil bis leicht rückläufig | Gut — langfristiger Sachwert |
| Inflationsgeschützte Anleihen (TIPS) | Designed für Inflation — Nominalwert steigt | +2 bis +5 % real | Gut für kurzfristigen Schutz |
Die wichtigste Erkenntnis: Inflation trifft Anleihen härter als Aktien
2022 war ein besonderes Jahr: Aktien fielen UND Anleihen fielen gleichzeitig (klassisches 60/40-Portfolio verlor ca. 17 %). Das war historisch selten — passiert aber, wenn die Notenbanken die Zinsen schnell anheben, um Inflation zu bekämpfen. Anleihenpreise fallen, wenn Zinsen steigen.
Aktien-ETFs haben zwar kurzfristig gelitten (MSCI World 2022: −20 %), aber sich im Jahr darauf vollständig erholt (+18 % in 2023). Wer durchgehalten hat, ist heute deutlich im Plus gegenüber 2022.
Optimale Strategie bei anhaltend hoher Inflation
Kernportfolio (70–80 %): Breit diversifizierter Aktien-ETF (MSCI World, FTSE All World). Unternehmen können Preise erhöhen — Aktien sind langfristig der beste Inflationsschutz.
Beimischung 1 (10–15 %): Rohstoff-ETF oder Rohstoff-Index-ETF (z. B. iShares Bloomberg Roll Select Commodity Swap ETF). Rohstoffe steigen direkt mit Inflation.
Beimischung 2 (5–10 %): Inflationsgeschützte Anleihen (TIPS/EU Inflation Linked). Für alle, die einen kurzfristigen Puffer wollen.
Liquidität (10–20 %): Tagesgeld oder Geldmarktfonds. Für den Notgroschen und kurzfristige Ausgaben.
Was man bei hoher Inflation vermeiden sollte: Festgeld mit langen Laufzeiten einfrieren, wenn Zinsen steigen könnten. Anleihen-ETFs mit langer Duration (sie fallen bei Zinserhöhungen stark). Zu viel Bargeld halten.
Robo-Advisor in Inflationsphasen
Ein guter Robo-Advisor rebalanciert automatisch. In der Inflation 2022 haben Anbieter wie Scalable Capital ihr dynamisches Risikomodell genutzt, um Anleihen zu reduzieren. Das hat nicht alle Verluste verhindert, aber gedämpft. Wichtig: Keinen Robo im Crash kündigen — die Erholung 2023 hat die meisten Verluste mehr als ausgeglichen.
Mehr zur Strategie: ETF gegen Inflation und ETF-Crash-Strategie. Direkt zum Robo-Advisor Vergleich.