Robo Advisors werden von Millionen Menschen genutzt — aber wie sie eigentlich funktionieren, wissen die wenigsten. Kein schwarzer Kasten, kein Geheimnis. Hinter jedem Robo Advisor stecken bekannte Finanzprinzipien, umgesetzt mit Software statt menschlichen Beratern.
Der Ablauf in 4 Schritten
Schritt 1: Risikoprofil erstellen. Beim Onboarding beantwortest du 5–15 Fragen zu Anlageziel, Zeithorizont, Einkommen und Risikobereitschaft. Beispiel: "Wie würdest du reagieren wenn dein Depot 30 % an Wert verliert?" Aus deinen Antworten berechnet der Algorithmus ein Risikoprofil — oft auf einer Skala von 1 (konservativ) bis 10 (offensiv).
Schritt 2: Asset Allocation. Das Risikoprofil wird in eine konkrete Aufteilung zwischen Aktien, Anleihen und manchmal Rohstoffen übersetzt. Profil 3 (konservativ) könnte bedeuten: 30 % Aktien, 70 % Anleihen. Profil 8 (offensiv): 90 % Aktien, 10 % Anleihen.
Schritt 3: ETF-Auswahl. Der Robo Advisor kauft für jede Assetklasse den kostengünstigsten, liquidesten ETF — fast immer breite Markt-ETFs (MSCI World, EM, Anleihen-ETF). Keine Einzelaktien, kein aktives Management.
Schritt 4: Automatisches Rebalancing. Wenn Aktien stark steigen, verschiebt sich die Gewichtung. Der Robo Advisor verkauft automatisch Gewinner und kauft Nachzügler — um das Risikoprofil konstant zu halten. Das passiert im Hintergrund, ohne dass du etwas tun musst. Mehr über das Thema: Rebalancing erklärt.
Drei Typen von Robo Advisors
| Typ | Funktionsweise | Beispiele | Kosten |
|---|---|---|---|
| Rein digital | 100 % Algorithmus, kein menschlicher Berater | Scalable, Ginmon | 0,5–0,75 % p.a. |
| Hybrid | Algorithmus + menschliche Qualitätskontrolle | Quirion, Bevestor | 0,48–0,8 % p.a. |
| Vermögensverwaltung | Vollständige Vermögensverwaltung mit Strategie | Whitebox, Growney | 0,4–0,9 % p.a. |
Was steckt technisch dahinter?
Die meisten Robo Advisors basieren auf der Modernen Portfoliotheorie (MPT) von Harry Markowitz: Rendite maximieren bei gegebenem Risiko durch Diversifikation. Dazu kommt die Sharpe Ratio als Maß für risikobereinigte Rendite. Das klingt kompliziert, ist aber in der Praxis: breite ETFs kaufen, global streuen, günstig halten.
Was ein Robo Advisor NICHT kann
- Markt-Timing: Kein Algorithmus kann zuverlässig Crashs vorhersagen oder den perfekten Einstiegszeitpunkt wählen.
- Individuelle Steueroptimierung: Robo Advisors verwalten Portfolios, keine persönliche Steuerberatung.
- Renditegarantien: Robo Advisors sind keine Sparkonten. Verluste sind möglich und temporär normal.
Mehr zu Grenzen und Vorteilen: Ist ein Robo Advisor sinnvoll? und Nachteile von Robo Advisors.
Robo Advisor vs. selbst anlegen
Wer einen MSCI World ETF direkt kauft, zahlt 0–0,2 % TER. Ein Robo Advisor kostet zusätzlich 0,3–0,8 % — für das automatische Rebalancing, die Risikosteuerung und den emotionalen Anker (nicht panisch verkaufen). Für Einsteiger ist der Robo Advisor oft der bessere Start. Für Fortgeschrittene kann direktes ETF-Investieren günstiger sein. Anbieter vergleichen: Robo-Advisor-Vergleich.