Wer ein Eigenheim finanziert und monatlich 500 € übrig hat, steht vor einer entscheidenden Frage: Sondertilgung leisten oder in ETFs investieren? Beide Optionen haben mathematische und psychologische Argumente. Die Antwort ist nicht universell — aber lässt sich mit ein paar Zahlen gut annähern.

Die Grundregel: Zinssatz ist entscheidend

Das einfachste Prinzip: Wenn der Zinssatz deines Kredits höher ist als die erwartete ETF-Rendite, dann tilgen. Wenn er niedriger ist, dann investieren. In der Praxis ist das natürlich komplizierter — wegen Steuern, Risiko und Psychologie.

KreditzinsEmpfehlungBegründung
unter 2 %ETF investierenETF-Rendite (6–9 %) übersteigt Zinsersparnis deutlich
2–3 %MischungRendite-Vorteil ETF vorhanden, aber gering — Risiko beachten
3–4 %Mischung oder tilgenETF-Rendite nach Steuer kaum noch besser
über 4 %Sondertilgung bevorzugenSicherer "risikoloser" Return von 4+ % durch Tilgung
über 5 %Sondertilgung klar besserKaum ETF-Strategie schlägt 5 % garantiert risikolos
Sondertilgung vs. ETF: die richtige Entscheidung für Immobilienbesitzer

Das Steuer-Argument für die Sondertilgung

ETF-Gewinne werden mit 25 % Abgeltungssteuer belastet. Das reduziert die Netto-ETF-Rendite. Ein ETF mit 7 % Rendite bringt nach Steuer nur ca. 5,2–5,5 %. Ein Kredit mit 3,5 % Zinsen kostet effektiv 3,5 % — jede gesparte Zinszahlung ist steuerfrei. Das Steuergefälle macht Sondertilgungen bei 3–4 % Kreditzins attraktiver als es auf den ersten Blick scheint.

Konkretes Rechenbeispiel

Situation: 200.000 € Restschuld, 3,0 % Zinssatz, 500 € monatlich verfügbar, Zeithorizont 15 Jahre.

Option A — Sondertilgung: 500 €/Monat extra in den Kredit. Ersparnis: ca. 37.000 € Zinsen über die Restlaufzeit. Schuldenfreiheit ca. 7 Jahre früher.

Option B — ETF-Sparplan: 500 €/Monat in MSCI World. Bei 7 % Rendite: Endvermögen nach 15 Jahren ca. 163.000 €. Davon Steuer ca. 10.000 €. Netto: ca. 153.000 €.

Ergebnis: Der ETF-Sparplan liegt deutlich vorne — aber trägt Marktrisiko. Die Sondertilgung ist risikolos. Bei diesem Zinssatz (3 %) spricht die Mathematik für den ETF-Sparplan. Liegt der Zinssatz bei 4,5 % oder mehr, ändern sich die Zahlen.

Das psychologische Argument

Viele Menschen schlafen besser ohne Schulden. Das ist kein schlechtes Argument. Wer bei einem Depot-Einbruch von 30 % in Panik verkaufen würde, verliert mehr als er durch höhere ETF-Rendite gewinnt. Wer das Schuldenfreiheitsgefühl will: lieber mit 80/20 Aufteilung kompromissieren (80 % Sondertilgung, 20 % ETF-Sparplan). Mehr zur Spar-Psychologie: Schulden abbauen oder investieren?

Die Hybrid-Strategie: Sondertilgung UND ETF-Sparplan

Wer nicht alles auf eine Karte setzen will: monatliche 500 € aufteilen, z.B. 250 € Sondertilgung + 250 € ETF-Sparplan. Du reduzierst Schulden und baust gleichzeitig Vermögen auf. Nach Tilgung kannst du die gesamte Rate in den ETF-Sparplan umlenken.

Der erste Schritt: Robo-Advisor vergleichen oder direkt einen ETF-Sparplan einrichten.