Das erste Mal Geld anlegen fühlt sich komplizierter an als es ist. Tausende Euro auf dem Konto, Angst vor dem falschen Schritt, zu viele Optionen. Die gute Nachricht: Du brauchst kein Finanzstudium. Wer diese sechs Schritte befolgt, hat binnen zwei Wochen einen funktionierenden Sparplan — und macht damit mehr als 90 % der deutschen Bevölkerung.
Schritt 1: Finanzielle Basis klären (1 Woche)
Bevor du investierst, brauchst du zwei Dinge:
Notgroschen: 2–3 Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto als Puffer für unerwartete Ausgaben (Auto kaputt, Zahn, Jobwechsel). Dieses Geld gehört nicht investiert — es muss sofort verfügbar sein.
Schuldenfrei (für Konsumkredite): Wenn du Dispo oder Ratenkredite über 8 % Zinsen hast, tilge diese zuerst. Kein ETF schlägt sicher 8 % Zinsen nach Kosten — Schulden tilgen ist die risikofreie Rendite.
Schritt 2: Anlageziel und Horizont definieren
| Ziel | Zeitraum | Empfohlene Strategie |
|---|---|---|
| Urlaub oder Auto | 1–3 Jahre | Tagesgeld oder Festgeld — kein ETF! |
| Eigenkapital Immobilie | 5–10 Jahre | ETF mit 50–70 % Aktienquote |
| Altersvorsorge / Vermögensaufbau | 15+ Jahre | ETF 100 % Aktien (MSCI World / FTSE All World) |
| Passives Einkommen | Unbefristet | Breit diversifiziertes ETF-Depot, ausschüttend |
Der Zeitraum entscheidet alles. ETFs können kurzfristig stark schwanken (−40 % im Crash sind möglich). Nur Geld, das du mindestens 7–10 Jahre nicht brauchst, gehört in Aktien-ETFs.
Schritt 3: Broker auswählen (Depot eröffnen)
Für Einsteiger empfehlen sich kostenlose Neobroker:
Trade Republic: Komplett kostenlos, Sparpläne ab 1 €, größtes ETF-Angebot in Deutschland. Optimal für Einsteiger.
Scalable Capital (Free): Kostenlose Sparpläne, gute App, solide ETF-Auswahl.
ING Direktbank: Für alle, die eine klassische Direktbank bevorzugen. Breites Angebot, guter Kundenservice.
Depot eröffnen dauert 10–15 Minuten online — Personalausweis bereithalten, Video-Ident durchführen.
Schritt 4: Den richtigen ETF wählen
Als Einsteiger brauchst du genau einen ETF für den Start. Empfehlungen:
Option A — 1 ETF für alles: Vanguard FTSE All World (VWCE, ISIN IE00BK5BQT80, TER 0,22 %) — enthält ca. 4.000 Unternehmen weltweit, thesaurierend (reinvestiert automatisch).
Option B — 2 ETFs: iShares Core MSCI World (70 %) + iShares Core MSCI EM (30 %) — günstiger, aber erfordert jährliches Rebalancing.
Für den Anfang: Option A, VWCE. Kein Nachdenken, kein Rebalancing, trotzdem echte globale Diversifikation. Mehr über die Unterschiede im Artikel ETF Weltportfolio aufbauen.
Schritt 5: Sparplan einrichten und starten
Im Broker: ETF suchen (ISIN eingeben) → "Sparplan erstellen" → Sparrate festlegen (z. B. 100 €/Monat) → Ausführungstag wählen → bestätigen.
Parallel: Freistellungsauftrag einrichten. Bei Trade Republic und anderen Brokern direkt in der App möglich. Einzelpersonen: 1.000 €/Jahr steuerfrei. Paare: 2.000 € (je 1.000 € pro Depot).
Schritt 6: Nicht mehr täglich schauen
Das ist der schwierigste Schritt. Kurse schwanken täglich. Im Crash sieht dein Depot rot aus — manchmal um 30–40 %. Das ist normal und temporär. Wer im Crash verkauft, realisiert Verluste. Wer hält, erholt sich mit dem Markt.
Empfehlung: Einmal pro Quartal einen kurzen Blick ins Depot. Einmal jährlich prüfen, ob die Sparrate noch passt. Ansonsten: Autopilot laufen lassen.
Willst du es noch einfacher? Ein Robo-Advisor übernimmt ETF-Auswahl, Sparplan und Rebalancing automatisch. Kostet etwas mehr, spart aber Zeit und Entscheidungsaufwand. Unser Anlegerprofil-Quiz findet die beste Lösung für deine Situation.